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Winterschutz von Exoten / Grundregeln

Die dauerhafte Auspflanzung exotischer Pflanzen im eigenen Garten erfordert die besondere Aufmerksamkeit des Gärtners. Bei Beachtung gewisser Grundregeln ist eine erfolgreiche Freiland-Überwinterung aber vielfach durchaus möglich.

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Nr. Regel Beschreibung
1 Frühzeitige Planung verhindert böse Überraschungen! Den erforderlichen Materialbedarf für den Winterschutz sollte man frühzeitig kalkulieren + besorgen, um z.B. etwaigen Lieferengpässen entgegen zu wirken.
2 Kaliumdünger steigert die Frosthärte! Ab Anfang August sollte man zur Wintervorbereitung auf kaliumhaltigen Dünger umstellen. Stickstoffhaltigen Dünger sollte man im Herbst auf alle Fälle vermeiden, da er zu einer verlängerten Wachstumsperiode führt, was dem Verholzen entgegen wirkt und damit die mögliche Frosthärte der Pflanzen reduziert.
3 Einpacken hilft nur kurzfristig! Da Pflanzen im Gegensatz zu Menschen keine Eigenwärme erzeugen, verzögert das dicke Einpacken einer Pflanze das Eindringen der Kälte, kann es aber nicht dauerhaft verhindern. Bei dauerhafter Kälte hilft das Einpacken nur in Verbindung mit einer Wärmequelle.
4 Je dunkler man eine Pflanze überwintert, desto kühler sollte es im Winterquartier sein! Immergrüne Pflanzen sollten hell überwintert werden, laubabwerfende können auch dunkel überwintert werden. Je mehr Licht das Winterquartier bietet, desto wärmer sollte es sein, je dunkler, desto kühler. Ein guter Richtwert sind 10°C bei heller Überwinterung, 5°C bei schwachem Tageslicht. Bei warmer, dunkler Überwinterung bilden Pflanzen i.ü. oft helle, schwache (‚vergeilte‘) Triebe, die man im Frühling abschneiden sollte. Bei starkem Licht- + Temperaturwechsel werfen immergrüne Pflanzen im Winterquartier gelegentlich ihre Blätter ab, treiben aber im Frühling i.d.R. wieder aus.
5 Temperaturschwankungen vermeiden! Starke Temperaturunterschiede sind für die meisten Pflanzen im Winter eine Belastung. Wird es tagsüber wiederholt zu warm, gehen die Pflanzen nicht in die Winterruhe. Temperaturschwankungen kann man durch Schattierung mit lichtdichten, luftdurchlässigen Materialien mindern. Schattierung hilft darüber hinaus ggf. bei kalten Winden. Lichtdurchlässige, luftdicht verschlossene, unbeheizte Schutzbauten (oder Gewächshäuser) haben genau den gegenteiligen und damit schädlichen Effekt (Treibhaus-Effekt).
6 Schnee ist ein guter Frostschutz! Eine dichte Schneedecke wirkt wie eine Isolationsschicht, die das Endringen starker Frosttemperaturen in die abgedeckten Pflanzenteile, insbesondere das Wurzelwerk, stark verzögert. Man sollte die Schneedecke daher nicht entfernen, sondern – im Gegenteil – um die Pflanzen anhäufeln.
7 Je größer die Pflanze, desto aufwändiger der Winterschutz! Je größer eine Pflanze ist, desto aufwändiger gestaltet sich der Winterschutz, sowohl zeitlich als auch kostenseitig (Material und Heizkosten).
8 Zu lange angebrachter Winterschutz kann genauso schädlich sein wie zu kurzer Schutz! Bei der Fragestellung, wie lange man eine Pflanze schützen soll, wann man also den Winterschutz auf- bzw. wieder abbaut, sollte man sich in den kritschen Monaten Woche für Woche die Vorhersage für die nächsten 1-2 Wochen anschauen und auf der Basis angemessen mutig entscheiden.
9 Zu viel Winterschutz kann genauso schädlich sein wie zu wenig Schutz! Jede Winterschutzmaßnahme bedeutet eine Beeinträchtigung der Pflanze, sei es zu hohe Temperaturen, zu wenig Licht o.ä.. Schäden treten z.T. erst im nächsten Frühjahr auf. Verspätetes Wachstum ist z.B. oftmals das Ergebnis eines zu starken Winterschutzes (insbesondere des Blattwerks), weshalb die Pflanzen das Stresshormon Abcissinsäure ausschütten, welches im Frühjahr erst abgebaut werden muss, bevor die Pflanze wieder wächst. Die Angemessenheit des Winterschutzes ist daher Woche für Woche auf Basis der Vorhersage für die nächsten 1-2 Wochen zu hinterfragen und sollte im Verlauf eines Winters bei Bedarf immer wieder situativ flexibel angepasst werden können. Der Aufwand für das flexibele Anpassen des Winterschutzes an das aktuelle Klima sollte daher so gering wie möglich gehalten werden.
10 Frosthärte sollte man nicht ausreizen! Spätestens bei Temperaturen 5° oberhalb der (realistischen) Frosthärte einer Pflanze sollte man für angemessenen Winterschutz sorgen.
11 Feuchtigkeitsempfindliche Pflanzen brauchen Nässeschutz! Pflanzen aus sehr trockenen Gegenden – insbesondere Wüstenpflanzen wie Kakteen und Yuccas – reagieren im Winter sehr allergisch auf Feuchtigkeit. Für diese Exoten empfiehlt sich – gerade im Winter – ein Regendach.
12 Lüften, lüften, lüften! Um Pilzbefall zu verhindern, muss die Pflanze im Winter regelmäßig belüftet werden, insbesondere nach längeren Phasen mit luftdichter Verpackung, z.B. mit Luftpolsterfolie.
13 Immergrüne Pflanzen nicht vertrocknen lassen! Laubabwerfende, ausgepflanzte Pflanzen benötigen i.d.R. während der kalten Jahreszeit keine Bewässerung, immergrüne Pflanzen aber sehr wohl. Gegossen werden sollte nur an frostfreien Tagen.
14 Frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen benötigen besonders viel Schutz! Etablierte, gesunde Pflanzen sind frosthärter als frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen, da sie i.d.R. genügend Reserven haben. Besonders gefährdet sind ältere Pflanzen, die frisch ausgepflanzt sind, da sich ältere Pflanzen besonders schwer mit dem Anpassen an das neue Umfeld tun.
15 Jungpflanzen sind besonders frostempfindlich! Je dicker und verholzter Stamm, Äste und Zweige, desto besser ist die Pflanze gegen Frost geschützt. Jungpflanzen sind entsprechend weniger frosttolerant als adulte Pflanzen. Vorsicht: die Frosthärteangaben von Pflanzen beziehen sich – verkaufsfördernd – meist auf gesunde, adulte und etablierte Pflanzen, die so für Jungpflanzen nicht gelten.
16 Adulte Pflanzen sind wenig anpassungsfähig! ‚Einen alten Baum verpflanzt man nicht‘: adulte Pflanzen sind nicht mehr so anpassungsfähig. Pflanzen, die älter als 5 Jahre sind und ganz andere klimatische Bedingungen gewohnt sind, lassen sich nur sehr schwer neu ansiedeln. Aber selbst bei Jungpflanzen ist die Anpassungsfähigkeit gelegentlich sehr eingeschränkt. So zeigen z.B. Untersuchungen bei der Hanfpalme, dass die Frosthärte unabhängig von Standort maximal um +/-1° differiert, dass also die Frosthärte bei der Hanfpalme bis auf Nuancen genetisch festgelegt ist und nicht ‚modifiziert‘ werden kann.

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