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Chinesische Hanfpalme: Steckbrief Trachycarpus Fortunei

Gemeinhin hält sich der Irrglaube, alle Palmen stammen aus den tropischen Gebieten der Erde und sind daher zum Auspflanzen im eigenen Garten für unsere Regionen gänzlich ungeeignet. Insbesondere die chinesische Hanfpalme (Trachycarpus Fortunei) lehrt uns hier eines Besseren.

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Blatt 2016
Blüte (männlich) 2016
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Blütenknospe (männlich) 2016
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Blütenknospe 2017
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Blütenknospe 2017
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Blütenknospe 2017
Fächer 2015
Fächer 2015
Fächer 2016 (Kennzeichnung)
Fächer 2016 (Kennzeichnung)
Fächer 2016
Fächer 2016
Fruchtansätze 2017
Fruchtansätze 2017
Hanffaser 2016
Petiolen / Modifikation
Speer 2015
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Vergleich: 2014-2016
Wachstumsöffnung 2015
Wachstumsöffnung 2016
Wurzeln 2016
Wurzeln 2016
Systematik

Die chinesische Hanfpalme – wegen ihres natürlichen Vorkommens in Tessin (Schweiz) auch Tessinerpalme genannt – ist eine stammbildende immergrüne Fächerpalme, die innerhalb der Familie der Palmengewächse (Arecaceae) zur Gattung der Hanfpalmen (Trachycarpus) gehört. Bis 1861 wurde die Palme noch ‚Chamaerops Excelsa‘ bezeichnet, bis 1931 ‚Trachycarpus Excelsa‘ und seitdem ‚Trachycarpus Fortunei‘.

In der Gattung der Hanfpalmen gibt es 10 Arten:

  • Trachycarpus fortunei
  • Trachycarpus princeps
  • Trachycarpus taki
  • Trachycarpus martianus
  • Trachycarpus nanus
  • Trachycarpus geminisectus
  • Trachycarpus latisectus
  • Trachycarpus oreophilus
  • Trachycarpus ukhrulensis
  • Trachycarpus ravenii

Kulturformen wie z.B. die ‚Trachycarpus fortunei wagnerianus‘ (‚Bayernpalme‘) oder die ‚Trachycarpus manipur‘ gelten nicht als eigene Art.

Neben Kulturformen werden in einschlägigen Foren immer wieder Unterarten diskutiert, die sich bzgl. Habitus leicht, aber signifikant vom Original unterscheiden, bei der Fortunei z.B. Chaubattia, Chusan, Hasan, Kumaon, Misan, Tesan oder Winsan. Dabei entstehen zwischen den Gelehrten zum Teil heftige Diskussion, was denn nun echte Unterarten sind und was nicht.

Herkunft / Verbreitung

Ursprünglich stammt die Hanfpalme vermutlich aus den subtropischen Bergregionen Zentral- und Ostchinas. Heimisch ist die chinesische Hanfpalme vom Himalaya in Nord-Indien bis nach Nord-Thailand und China und wächst dort in Höhenregionen bis zu 2500m.

Im Sommer herrscht in diesen Regionen subtropisches Klima mit monsunartigen Regenfällen. Temperaturen und Niederschläge liegen entsprechend höher als bei uns, weshalb Hanfpalmen bei uns im Sommer reichliche Wasserzugaben lieben.

Die Winter am Naturstandort sind i.d.R. ähnlich kalt wie in milden Gegenden Deutschlands, allerdings weniger feucht. Feuchter Boden gefriert langsamer, bleibt aber länger gefroren und kann zu tiefgreifenden Bodenfrösten führen. Diese Bodenfröste können für flachwurzelnde Hanfpalmen, die als wintergrüne Pflanzen auch im Winter etwas Wasser und Nährstoffe benötigen, zu Versorgungsengpässen oder in Extremwintern zum Absterben des Rhizoms führen.

Eigenschaften

Wachstum

Die Trachycarpus Fortunei kann bis zu 15m hoch werden. Ideale Wachstumsbedingungen herrschen bei Temperaturen zwischen 15 und 20°C, bei mehr als 12h Tageslicht. In dem Fall sind bei entsprechender Pflege für etablierte, gesunde Hanfpalmen Stammzuwächse bis zu 30cm und bis zu 15 neue Wedeln pro Jahr realistisch.

Weibliche Hanfpalmen wachsen langsamer als männliche, junge wachsen langsamer als ältere, neu Ausgepflanzte langsamer als Etablierte.

Frosthärte

Generelle Frosthärte-Informationen zur Hanfpalme finden sich hier.

Gemäß Professor Walter Larcher vertragen die einzelnen Pflanzteile einer Trachycarpus Fortunei in etwa folgende Tiefsttemperaturen:

Pflanzteil: initialer Schaden ab: Absterben durchschn. bei:
alter Fächer -11,0 °C -13,0 °C
junger Fächer -10,5 °C -12,5 °C
geschlossener Fächer (Speer) -11,5 °C -14,0 °C
Blattstiel (Stilende) -10,0 °C -15,0 °C
Blattbasis (Stilanfang) -8,5 °C -10,0 °C
Herz (Meristem) -11,5 °C -15,0 °C
Leitbündel (Versorgungsleitungen des Herzens) -6,0 °C -8,0 °C
Wurzeln (Rhizom) -6,5 °C -8,0 °C

Wenn man in Betracht zieht, dass das Meristem und die Leitbündel durch den Stamm und das Rhizom durch das Erdreich einen gewissen Kältesschutz erfahren, so ist die vielfach in der Literatur zu findende Frosthärte von -17°C als reine Überlebensgrenze für etablierte Trachycarpus Fortunei sicher nicht ganz falsch. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man die Hanfpalme aber nicht dauerhaft Temperaturen unter -10°C aussetzen.

Habitus

Rhizom / Wurzelsystem

Trachycarpus Fortunei sind Flachwurzler. Das Wurzelsystem dehnt sich (je nach klimatischen und Boden-Bedingungen) nach einigen Jahren weit über den Durchmesser der Blattkrone aus. Die Wurzeln gehen z.T. bis ca. 3m in die Tiefe. Aus der Stammbasis entspringen mehrere Adventivwurzeln, die sich im Boden weit verzweigen und in dünnen Haarwurzeln münden. Monocotyledone (einkeimblättrige) Pflanzen, zu denen die Hanfpalme gehört, haben im Gegensatz zu Bäumen und Sträuchern kein sekundäres Dickenwachstum. Die Adventivwurzeln werden daher im Laufe der Jahre nicht kräftiger.

Stamm / Meristem

Der Stamm der Hanfpalme ist mit braunen Fasern bedeckt und erreicht bei ausgewachsenen Pflanzen eine Höhe bis ca. 10m, einen Umfang bis ca. 1m und einen Durchmesser bis ca. 35cm. Im Alter verliert die Hanfpalme oftmals im unteren Stammbereich die Blattbasen und Fasern und hat dann nur noch einen Stamm-Durchmesser von ca. 20-25cm.

Das Dickenwachstum des Stamms ist ca. bei einer Stammhöhe von 1m abgeschlossen und fällt zeitlich in etwa mit der ersten Blüte zusammen. Da es bei Palmen danach kein weiteres (sogenanntes sekundäres) Dickenwachstum gibt, bildet der Stamm keine Jahresringe, wie man es von einheimischen Gehölzen kennt. Erst, wenn der Stamm seine endgültige Stammdicke erreicht hat, wird das Stammwachstum in die Höhe forciert. Je dicker der Stamm wird, desto winterhärter ist die Palme einzustufen. Bei Palmen bis zu einer Stammhöhe von ca. 1m erkennt man eine robuste Palme daran, dass der Stammumfang in etwa der Stammhöhe entspricht. Bei älteren Hanfpalmen erreicht der Stammumfang bei robusten Palmen ca. 1m.

Das Palmenherz (Meristem) befindet sich immer ein gutes Stück unterhalb des Wachstumsöffnung (Apex), bei einer Stammhöhe von 50cm ca. 30-40cm, bei Palmen mit Stammhöhen größer 1m ca. 30-60cm unterhalb der Öffnung. Bei langsam wachsenden Palmen liegt das Meristem höher, bei schnell wachsenden Exemplaren tiefer.

Formal ist der Stamm der Palme nur der verholzte Teil unterhalb des Meristems. Der leicht-flexible Bereich oberhalb des Meristems bis zur Wachstumsöffnung wird als Scheinstamm bezeichnet und besteht nur aus verschachtelten Blattbasen. In Kaufanzeigen wird i.d.R. der gesamte Bereich zwischen Wurzelwerk und Wachstumsöffnung – also Stamm und Scheinstamm zusammen – als Stammhöhe angegeben.

Wurzelsystem und Meristem sind über Leitbahnen verbunden. Das Wurzelsystem pumpt über die Leitbahnen unermüdlich Nährstoffe ins Palmenherz, wo neue Wedel / Blätter entstehen.

Blätter

Die Blattkrone kann im Alter aus weit über 50 Wedeln bestehen. Ältere Wedel vertrocknen. Die Petiolen können bis zu 1m lang werden. Die Wedel bestehen aus ca. 40 bis 50 Segmenten und können ebenfalls bis zu 1m lang werden.

Blüten

Trachycarpus Fortunei sind zweihäusig getrenntgeschlechtlich. Um zu fruchten, benötigt man daher männliche und weibliche Pflanzen. Die Hanfpalme blüht i.d.R. im April / Mai. Ob es sich um ein männliches oder weibliches Exemplar handelt, lässt sich an den Blütenständen erkennen. Der männliche Blütenstand besitzt gelbe Blüten, die Blütenstaub abgeben. Die weiblichen Blütenstände sind hellgrün, stehen weniger dicht beisammen und sind etwas größer. Die Fruchtblätter der weiblichen Blüten sind stärker ausgebildet und in der Mitte ringförmig behaart. Gelegentlich besitzen Hanfpalmen (insbesondere männliche) auch Blütenstände mit zwittigen Blüten, die wie die weiblichen Blüten ringförmig silbrig behaart sind. Hanfpalmen können ca. in einem Alter von 5-10 Jahren (entspricht je nach Standort und Pflege einer Stammhöhe von ca. 50-100cm) das erste Mal blühen. Am weiblichen Blütenstand entwickeln sich nach der Bestäubung Früchte. Eine künstliche Bestäubung funktioniert i.ü. i.d.R. nicht, da die Blüten auf dem Weg nicht ausreichend steril gehalten werden können.

Man liest immer wieder, dass eine blühende Palme ein Indiz ist, dass es ihr gut geht. Das ist so nicht ganz richtig. Da die Blüten i.d.R. bereits im Herbst des Vorjahres angelegt werden, ist eine blühende Palme nur ein Indiz, dass es ihr im Herbst des Vorjahres gut ging. So sieht man im Frühjahr – insbesondere nach einem harten Winter – oftmals Hanfpalmen, die zwar blühen, deren Wedel aber arg mitgenommen aussehen.

Früchte

Die Früchte sind zunächst grün, später gelblich und ausgereift dann blau-violett.

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