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Chinesische Hanfpalme: umweltbedingte Variationen Trachycarpus Fortunei

Schaut man sich im Internet Fotos von Hanfpalmen an, so gewinnt man den Eindruck, dass sie sich im Habitus zum Teil stark unterscheiden. Aber worin unterscheiden sie sich konkret? Und woran liegt das?

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Blatt 2016
Blüte (männlich) 2016
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Blütenknospe (männlich) 2016
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Blütenknospe 2017
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Blütenknospe 2017
Blütenknospe 2017
Blütenknospe 2017
Blütenknospe 2017
Fächer 2015
Fächer 2015
Fächer 2016 (Kennzeichnung)
Fächer 2016 (Kennzeichnung)
Fächer 2016
Fächer 2016
Fruchtansätze 2017
Fruchtansätze 2017
Hanffaser 2016
Petiolen / Modifikation
Speer 2015
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Vergleich: 2014-2016
Wachstumsöffnung 2015
Wachstumsöffnung 2016
Wurzeln 2016
Wurzeln 2016

Eine gesunde und etablierte Palme zeichnet sich durch ein großes Wurzelwerk, einen robusten Stamm, viele, kräftige Wedel mit saftig-grünen Blättern und in Folge ein schnelles Wachstum aus. Um das bei uns zu erreichen, muss man die Bedingungen der Palme an ihrem Naturstandort im eigenen Garten möglichst exakt nachbilden. Klappt das nicht vollumfänglich, versucht die Palme, sich bis zu einem gewissen Grad an die neuen Bedingungen anzupassen, was auch äußerliche Veränderungen zur Folge haben kann…

Modifikation von Pflanzen

In der Biologie spricht man bei einer durch Umweltfaktoren (Nahrung, Temperatur, Licht, …) hervorgerufenen Veränderung des Erscheinungsbildes (Phänotyp) eines Lebewesens – also einer Veränderung von Form, Gestalt und sonstigen Eigenschaften – von einer sogenannten ‚Modifikation‘. Eine ‚Modifikation‘ ist – im Gegensatz zu einer gen-verändernden ‚Mutation‘ – nicht vererbbar. Die ‚Reaktionsnorm‘ bzw. ‚Modifikationsbreite‘ entscheidet darüber, wie stark ein Lebewesen auf veränderte Umweltbedingungen reagieren bzw. sich anpassen kann.

Man unterscheidet ‚fließende Modifikation‘ mit einer stetigen Veränderung des Phänotyps und einer ‚umschlagenden Modifikation‘, dem sogenannten ‚Polyphänismus‘.

Setzt man zwei genetisch-vergleichbare Pflanzen, die sich aufgrund bis dato unterschiedlicher Umweltbedingungen unterschiedlich entwickelt haben, eine längere Zeit wieder gleichen Umweltfaktoren aus, so gleichen sich die Phänotypen i.d.R. wieder an.

Modifikation von Hanfpalmen

Wesentliche Umweltfaktoren bei der Modifikation von Freiland-Palmen sind:

  • #Stunden mit Temperaturen zwischen 15 und 20°C (ideale Wachstumsbedingungen)
  • #Frosttage
  • #Dauerfrosttage
  • Regenmenge im Sommer
  • Nährstoffgehalt des Bodens
  • Konsistenz des Bodens

Umweltfaktoren lassen sich bis zu einem gewissen Grade durch Pflege- + Schutzmaßnahmen des Besitzers (Bewässerung, Düngung, Winterschutz, …) beeinflussen. Inwieweit die veränderten Umweltfaktoren zu einer Modifikation des Erscheinungsbildes führen, hängt stark vom Charakter der jeweiligen Pflanze (Genetik, Alter, Historie, …) ab.

Hanfpalmen reagieren auf veränderte Umweltfaktoren mit ‚umschlagender Modifikation‘, d.h., sie passen sich einmalig (und nicht stetig) an die neuen Bedingungen an. Konkret heisst das: pflanzt man eine Gewächshauspalme in rauen Gegenden aus, werden ihre weichen Blätter im ersten Winter womöglich stark geschädigt. Im nächsten Frühjahr neu gebildete Wedel sind dann i.d.R. um einiges kräftiger. In den Folgejahren wird es jedoch keine weiteren Veränderungen geben. Die Anpassungsfähigkeit ist in den ersten 3 Entwicklungsjahren am höchsten. Mit Abschluß des primären Dickenwachstums ist die Anpassungsfähigkeit der Palme auf ein Minimum reduziert. Daher empfiehlt sich – falls man eine Palme auspflanzen will – der Kauf einer noch anpassungsfähigen, jüngeren Pflanze. Bei älteren Hanfpalmen empfiehlt sich, nur Pflanzen zu kaufen, die bereits unter vergleichbaren Umweltbedingungen aufgewachsen sind.

Die Frosthärte von Hanfpalmen ist genetisch festgelegt und liegt etwa bei -17°C. Sie kann durch veränderte Umweltfaktoren nur marginal um +/-1° modifiziert werden. Wird es kälter, stirbt die Pflanze. Da Hanfpalmen auf veränderte Umweltfaktoren mit ‚umschlagender Modifikation‘ reagieren, ist ein stetiges ‚Abhärten‘ von Hanfpalmen über mehrere Jahre ein weitverbreiteter Irrglaube.

Am Stamm lassen sich Modifikationen am deutlichsten erkennen: manche Palmen haben einen für ihre Stammhöhe sehr schlanken Stamm, andere wirken regelrecht untersetzt. Für Hanfpalmen mit einer Stammhöhe bis 1m gelten Palmen, bei denen das Verhältnis aus Stammumfang zu Stammhöhe über 1 liegt, als besonders robust.

Darüber hinaus verändern sich die Hanffasern: während diese in warmen Gegenden eher glatt und eng am Stamm anliegend sind, sind sie in kalten Gegenden wuschelig und etwas dicker und länger. Die Modifikation läßt sich gut beobachten: eine seit mehreren Jahren ausgepflanzte Palme hat oftmals im unteren Stammbereich eng-anliegende Fasern (die sie vor der Auspflanzung in wärmeren Gegenden gebildet hat) und im oberen Stammbereich eher zerzauste Fasern (die sich seit Auspflanzung in unseren kälteren Gegenden gebildet haben).

Bei veränderten Umweltfaktoren kann es an den Petiolen (bzgl. Länge und Dicke) und den Blättern (bzgl. Größe und Dicke) zu Modifikationen kommen.

Eine Wachstums-Chronologie meiner Hanfpalmen findet sich hier.

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