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Palme: Einsteiger-Informationen Arecaceae / Palmae

Immer wieder bleiben Leute erstaunt vor meinem Garten in Oberbayern stehen und fragen mich, ob ich meine Palmen im Winter ausbuddele und drinnen überwintere. Wenn ich dann erkläre, dass meine Palmen ganzjährig draussen ausgepflanzt sind, ernte ich i.d.R. ungläubige Blicke…

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Blatt 2016
Blüte (männlich) 2016
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Blütenknospe (männlich) 2016
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Blütenknospe 2017
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Blütenknospe 2017
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Fächer 2015
Fächer 2015
Fächer 2016 (Kennzeichnung)
Fächer 2016 (Kennzeichnung)
Fächer 2016
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Fruchtansätze 2017
Fruchtansätze 2017
Hanffaser 2016
Petiolen / Modifikation
Speer 2015
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Stamm / Längsschnitt
Vergleich: 2014-2016
Wachstumsöffnung 2015
Wachstumsöffnung 2016
Wurzeln 2016
Wurzeln 2016

Spätestens mit der Klimaerwärmung denken auch in unseren Breitengraden mehr und mehr Menschen darüber nach, eine ‚winterharte‘ Palme im eigenen Garten auszupflanzen.

Die Suche nach verlässlichen Informationen zu Palmen – speziell bzgl. erforderlicher Schutz- und Pflegemaßnahmen – gestaltet sich jedoch schwierig. Zwar findet man im Internet Unmengen an Informationen. Diese sind aber für den Palmen-Einsteiger großteils eher verwirrend, z.T. widerspüchlich, gelegentlich schlichtweg falsch. In der Konsequenz werden einige Palmen-Interessierte unnötigerweise abgeschreckt, andere zur kompletten Sorglosigkeit animiert. Dieser Beitrag soll für etwas Orientierung sorgen.

Frost- + Winterhärte

Zunächst: es ist ein Irrglaube, dass Palmen grundsätzlich aus sehr tropischen Gegenden stammen. Es gibt durchaus Palmenarten, die extreme Fröste an ihrem Naturstandort gewöhnt sind.

Erste konkrete Anhaltspunkte, ob eine Palme für den eigenen Garten geeignet ist, liefert daher die Frosthärte, also die Minimaltemperatur, die die jeweilige Palmenart an ihrem Naturstandort gewöhnt ist und entsprechend in etwa auch bei uns aushalten kann. Leider findet man hierzu im Internet z.T. stark abweichende Angaben. Und meist wird nicht erwähnt, dass die Angaben nur für adulte, am Standort etablierte Palmen mit einem entsprechend dicken Stamm und Wurzelwerk, aber sicher nicht für frisch ausgepflanzte, noch schwache Pflanzen gelten. Einzelne (i.d.R. nicht lebensbedrohende) Pflanzenteile wie z.B. die Wedel / Blätter bekommen i.ü. oftmals schon bei höheren Tenperaturen Probleme. Man sollte auch nicht vergessen, dass es zwischen den Palmen leichte Streuungen gibt. Um hier an halbwegs verlässliche Informationen zu kommen, sollte man sich über entsprechende Expertenseiten informieren.

Weitaus interessanter als die Frosthärte einer Palme ist aber die Frage nach der Winterhärte, also der Frage, inwieweit eine Palme einen Winter bei uns ohne zusätzlichen Schutz überstehen kann. Entscheidend für die Winterhärte ist, inwieweit die Bedingungen des Herkunfts- / Naturstandorts der Palme mit den lokalen Bedingungen im eigenen Garten vergleichbar sind. Hier spielt neben Makro- + Mikroklima auch die Bodenbeschaffenheit eine entscheidende Rolle. Eine Palme muss für eine dauerhafte Auspflanzung bei uns also nicht nur ausreichend frosthart sein, sondern z.B. auch mit unserem relativ feuchten Klima und – insbesondere bei lehmigen Boden – mit Staunässe zurecht kommen. Im Internet findet man entsprechend sehr unterschiedliche Aussagen, inwieweit bestimmte Palmenarten denn nun ‚winterhart‘, ‚bedingt winterhart‘ oder ‚zur Auspflanzung ungeeignet‘ sind. Richtig ist, dass Palmen in Deutschland maximal ‚bedingt winterhart‘ sind. Richtig ist aber auch, dass sich die Winter bei uns die letzten Jahre durch die Klimaveränderungen so gestaltet haben, dass einige wenige Palmenarten die letzten Winter ‚winterhart‘ waren, also ohne jeglichen Schutz überlebt hätten, insbesondere in den milden Weinbaugegenden. Und: mit adäquatem Winterschutz kann man bestimmte Palmenarten, insbesondere die chinesische Hanfpalme, in ganz Deutschland relativ verlässlich durch den Winter bringen (siehe auch hier).

Schutz- + Pflegemaßnahmen

Für den Schutz- + Pflegebedarf gilt: was beim einen funktioniert, kann beim nächsten komplett falsch sein. Zwei Beispiele: der Düngebedarf für eine Palme hängt stark vom Bodentyp (Lehm-, Ton-, Sandboden, ph-Wert, Nährstoffverteilung, ..) im eigenen Garten ab. Ein allgemeingültiger Düngetipp ist daher nur bedingt hilfreich. Gleiches gilt für den Winterschutz: in Gegenden mit langen und feuchten Wintern benötigt man ganz andere Schutzmethoden als in Gegenden, wo es nur mal ein paar Tage im Winter trockene Kälte gibt.

Ich habe in meinem Garten in Oberbayern Hanfpalmen ausgepflanzt, die i.d.R. mit einer Frosthärte von ca. -17°C angegeben werden. Im Winter schütze ich die Palmen mit beheizten Schutzbauten. Die Schutzbauten baue ich mit Ankündigung kritischer Temperaturen auf, beheize ab -10°C, öffne / belüfte den Schutzbau aber, sobald es das Klima wieder zulässt. Ich reize die Frosthärte der Palmen bewusst nicht bis zum letzten aus, um auch bei rapiden Temperaturstürzen noch etwas Luft zu haben und die empfindlichen Wedel halbwegs unbeschadet über den Winter zu bringen.

Es ist i.ü. nicht richtig, dass Palmen grundsätzlich aus sehr trockenen Gegenden stammen und daher wenig Wasserbedarf haben. Richtig ist, dass es sehr wohl auch Palmenarten gibt, die aus sehr regenreichen Gebieten kommen und entsprechend gar nicht genug Wasser bekommen können.

Wachstum

Auch bzgl. des Habitus von Palmen lässt man sich als Neuling gerne mal durch Erfahrungsberichte im Internet ob unfassbarer Stamm-Zuwächse, sehr robuster Stämme oder unzähliger neuer Wedel mit sattgrünen Wedeln verunsichern: was mache ich falsch, dass meine Palmen nicht so toll wachsen? Zunächst mal sollte man sich fragen, ob es überhaupt erstrebenswert ist, wenn eine Palme beispielsweise 50cm Stammzuwachs pro Jahr hat. Der Schutz- und Pflegeaufwand für eine große Palme ist nämlich immens und irgendwann nicht mehr mit vertretbarem Aufwand realisierbar. Viele langjährige Palmenbesitzer klagen darüber, dass ihre Palmen im Nachlauf viel zu schnell gewachsen sind. Man sollte sich außerdem darüber im Klaren sein, dass Habitus und Wachstum von ganz vielen Faktoren abhängen: von den Bedingungen vor Ort (Makro- und Mikroklima, Bodenverhältnisse), speziell vom Klima des letzten Winters und des hiesigen Sommers, vom betriebenen Schutz- und Pflegeaufwand (Zeit + Kosten), von den Genen der Palme (handelt es sich ggf. um eine Hybride?), vom Geschlecht (männliche wachsen schneller als weibliche), vom Gesundheitszustand, vom Alter (ältere Palmen wachsen schneller als junge) und der Auspflanzart (Drainage) und -dauer (schnelleres Wachstum erfolgt erst nach 2-3 Jahren Auspflanzung). Bei sovielen Faktoren hinkt jeglicher Vergleich. Ob es einer Pflanze gut geht, sieht man. Alles andere ist Quacksalberei. Ich habe beispielsweise 2 Hanfpalmen in meinem Garten, die direkt nebeneinander stehen und die gleichen Schutz- und Pflegemaßnahmen genießen, aber trotzdem komplett unterschiedlich ausschauen.

Fazit

Ich kann jedem hier in Deutschland die Auspflanzung einer geeigneten Palme – vorzugsweise einer Hanfpalme – im eigenen Garten empfehlen. Ganz ohne Schutz und Pflege wird es allerdings dauerhaft nirgends in Deutschland funktionieren.

Man sollte sich im Internet ein Grundwissen zur entsprechenden Palmenart aneignen, sich aber weder durch positive Erfahrungsberichte zu schnell animieren noch durch negative Berichte verrückt machen lassen. Verallgemeinerungen jeder Art sollte man kritisch hinterfragen. Was im Weinbaugebiet funktioniert, muss am Alpenrand noch lange nicht funktionieren.

Wichtig ist, dass man seine Palmen kontinuierlich im Blick hat, optische Veränderungen zeitnah erkennt, idealerweise tabellarisch oder photographisch dokumentiert und auf Basis dessen seine Schutz- oder Pflege-Maßnahmen bewusst anpasst.

Man sollte Dinge ausprobieren, Mut zeigen, sich durch Rückschläge nicht entmutigen lassen und sich so Stück für Stück spezifische Lösungen für den eigenen Garten erarbeiten… Der Weg kann hier wirklich das Ziel sein!

Posted in TOP-BEITRÄGE, Palmen
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