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Tipps für Exoten-Einsteiger

Viele Menschen stellen während der Sommermonate gerne exotische Pflanzen als Topfpflanze auf die Terrasse oder in den Garten. Eine dauerhafte Auspflanzung ist – meist aus Unwissenheit – keine Option. Wer den Schritt der Auspflanzung dennoch wagt, sollte sich vorab auf alle Fälle gut informieren, hat dann aber beste Chancen, vom Exotenfieber dauerhaft gepackt zu werden…

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Generell

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Exoten findet man bei uns nicht deshalb so selten, weil keiner auf den Gedanken gekommen ist, mal eine Palme in den Garten zu setzen, sondern, weil eine Palme bei uns nicht ohne menschliches Zutun überleben kann. Wer den zeitlichen + finanziellen Aufwand scheut, sollte seinen Exotentraum besser begraben, alleine der Pflanze zuliebe.

Es gibt im wesentlichen 3 Dinge, derer man sich bewusst sein sollte, wenn man mit dem Gedanken spielt, exotische Pflanzen im Garten auspflanzen zu wollen:

Die meisten Exoten benötigen in den Sommermonaten besondere Pflege Einige Exoten haben erhöhten Pflegebedarf, weil sie z.T. erheblich mehr Wasser und Dünger als einheimische Pflanzen benötigen. Es gibt aber auf der anderen Seite auch sehr genügsame Exoten, die man eher vor unseren Regenmassen schützen muss.
Die meisten Exoten benötigen in den Wintermonaten starken Schutz Es gibt nur sehr wenige Exoten, die den Winter in den rauen Gegenden vollkommen ungeschützt überstehen. Die meisten Exoten benötigen einen Kälteschutz ab gewissen Minusgraden, der je nach Pflanze und Frost ggf. sogar beheizt werden muss. Einige Exoten muss man im Winter vor Nässe schützen, da Sie sich mit den feuchten Wintern bei uns schwer tun.
Pflanzen- + Standort-Wahl bestimmen den erforderlichen Schutz- + Pflegebedarf Es gibt exotische Pflanzen, die für eine dauerhafte Auspflanzung bei uns (bedingt) geeignet sind und solche, die es nicht sind. Die Auswahl geeigneter Pflanzen hängt vom Wohnort ab und lässt sich durch geschickte Standortwahl im Garten, Bodenaufbereitungen sowie das Inkaufnehmen erhöhter Schutz- + Pflegemaßnahmen in gewissem Maß erweitern. Man sollte hier jedoch realistisch bleiben!
Standortbedingungen

Du solltest das Makroklima – also die klimatischen Bedingungen an Deinem Wohnort – kennen. Die wichtigsten Kenngrößen hierbei sind Temperatur- + Niederschlagswerte.

Temperaturwerte Hierzu gibt es sogenannte Klimakarten. Eine Karte für Deutschland findest Du zum Beispiel hier.
Niederschlagswerte Durchschnittliche Niederschlagsmengen pro Jahr findest Du für Deinen Ort z.B. hier.
Pflanzen-Auswahl
Geeignete Exoten finden Auf Basis der Standortbedingungen geht es an die Pflanzen-Auswahl. Hier ist Vorsicht geboten: Händler preisen manchen Exoten gerne mal als winter- oder extrem frosthart an, der es gar nicht ist. Eine (nach bestem Wissen von mir zusammengetragene) Liste frostharter Exoten mit Angabe der Frost- und Nässeverträglichkeit findest Du hier. Verlässlich sind auch diese Informationen nur bis zu einem gewissen Grad, da jede Pflanze für sich genetisch etwas anders ist und eine bestimmte Vorgeschichte hat.
Pflegeaufwand abschätzen Der Pflegeaufwand hat 2 Aspekte: zeitlich + finanziell. Zeitlich stellt sich beispielsweise die Frage, ob man bereit ist, je nach Pflanze im Sommer täglich zu bewässern und wie man das regelt, wenn man mal im Urlaub ist. Und natürlich ist eine extensive Bewässerung + Düngung auch finanziell nicht zu unterschätzen.
Schutzaufwand abschätzen Auch der Schutzaufwand ist zeitlich + finanziell zu beachten. Das Errichten des Winterschutzes kann durchaus zeitraubend sein. Auf- + Abbau kann je nach Winter ggf. auch mehrmals erforderlich sein. Und die Kosten können auch hoch sein, Materialkosten auf der einen Seite, laufende Stromkosten auf der anderen Seite, falls beheizt werden muss.
Zunächst winterharte Exoten wählen Daher: such Dir zunächst ‚einfache‘ Exoten heraus, um Erfahrungen zu sammeln. ‚Einfach‘ sind Pflanzen, die vollkommen nässeverträglich sind und Minimum 2 Klimazonen kleiner eingestuft sind als Dein Standort. Bei diesen Pflanzen kommst Du im Winter i.d.R. komplett ohne Frost- + Nässeschutz aus. Wenn Du so die ersten 1-2 Saisons Erfahrungen sammeln konntest, kannst Du Dich langsam an kritischere Exoten heranwagen…
Kauf

Beim Exoten-Kauf sollte man folgende Regeln beachten:

Kräftig statt groß Ein typischer Anfänger-Fehler: ich will das maximale für mein Geld bekommen, also kaufe ich die größte Pflanze. Nicht die größte Pflanze ist aber die beste, sondern die kräftigste Pflanze. Kräftig heißt: kräftige Wurzeln, kräftiger Stamm, gesunde Blätter. Bei großen Pflanzen besteht vielmehr die Gefahr, dass man eine ‚vergeilte‘ Pflanze kauft. Vergeilte Pflanzen entstehen, wenn viele Pflanzen im warmen, aber lichtarmen Gewächshaus sehr eng nebeneinander stehen. Dieser Umstand führt dazu, dass alle Pflanzen sehr schnell in die Höhe wachsen, um ans Licht zu kommen, ihre Stämme, Zweige und Stengel entsprechend aber sehr dünn und labil sind.
Jung statt alt Nächster wichtiger Punkt: ‚Einen alten Baum verpflanzt man nicht.‘ Dieser Aspekt gilt bei exotischen Pflanzen umso mehr, da sich diese an ein womöglich ganz anderes Klima, anderen Boden etc. gewöhnen müssen, als sie es aus ihrem Herkunftland gewohnt sind. Also: exotische Pflanzen sollten maximal 5 Jahre alt sein, dass sie noch flexibel genug sind, sich an das neue Umfeld gewöhnen zu können.
Schnäppchen vermeiden Meine erste Hanfpalme habe ich in einer etablierten Spezialgärtnerei für Exoten gekauft, hier vor Ort in München. Sicher habe ich weitaus mehr bezahlt als bei irgendeinem halbscharigen eBay-Verkäufer, aber das war es mir wert. So konnte ich als Exoten-Einsteiger halbwegs sicher sein, Qualität zu bekommen. Die Palme ist noch heute bei mir im Garten und liegt mir ganz besonders am Herzen.
Auspflanzung
Mikroklima Deines Gartens Du solltest das Mikroklima in Deinem Garten kennen. Mikroklima bezeichnet die unterschiedlichen Klimazonen in Deinem Garten. Du solltest in etwa wissen (z.B. mittels einer kleinen Gartenanalyse), an welchen Stellen im Garten die Sonne morgens, mittags und abends scheint. Du solltest wissen, wo es vollsonnige oder auch dauerschattige Plätze in Deinem Garten gibt. Du solltest Dir Gedanken machen, welche Stellen im Garten schonungslos den im Winter eisig-kalten Nord-Ost-Winden ausgesetzt sind und wo es auf der anderen Seite sehr windgeschützte Ecken gibt.
Boden am Standort Die Bodenart hat direkten Einfluss auf Pflege- + Schutzbedarf. Lehmiger Boden erfordert gegenüber Sandboden während der Sommermonate weniger Pflege, da er nährstoffreicher ist, also weniger gedüngt werden muss, und Wasser besser speichern kann, also weniger bewässert werden muss. Andererseits besteht ein höheres Staunässe-Risiko. Im Winter hat Lehmboden eher Nachteile: Lehmboden ist bei Bodenfrost länger gefroren, so dass die Gefahr der Frosttrocknis, also das Vertrocknen von Pflanzen im Winter aufgrund des dauer-gefrorenen Bodens und der damit fehlenden Wasser-Versorgung, weitaus höher ist. Gerade immergrüne Exoten sind auch im Winter auf eine bestimmte Wasser-Versorgung angewiesen.
Bedarf der Pflanze Was für ein Klima benötigt die konkrete Pflanze? Obstpflanzen brauchen beispielsweise viel Sonne zum Ausreifen der Früchte, Wüstenpflanzen lieben es sehr trocken. Information ist auch hier das A und O: so ist es beispielsweise ein Trugschluss, Palmen würden grundsätzlich einen trockenen, vollsonnigen Platz benötigen. Es gibt Palmen, die im Unterholz des Regenwaldes mit schwachem Licht und Nässe im Überfluss aufwachsen… Ähnlich ist es mit dem Boden: Wüstenpflanzen z.B. benötigen sandigen Boden, da sie auf Staunässe sehr empfindlich reagieren. Der Boden lässt sich bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Dazu sollte man das Pflanzloch möglichst groß gestalten, um den Boden um die Pflanze herum geeignet aufzubereiten. Die meisten Pflanzen freuen sich hierbei auch über eine Drainageschicht.
Pflege + Schutz
Bewässerung Während einheimische Pflanzen im eigenen Garten i.d.R. über die natürlichen Niederschläge adäquat versorgt werden, sind die Ansprüche exotischer Pflanzen oftmals nicht über unser Klima abgedeckt: einige Exoten benötigen eine zusätzliche Bewässerung, andere müssen vor den Regenmassen geschützt werden…
Düngung Damit exotische Pflanzen bei uns gut gedeihen können, sind sie i.d.R. auf zusätzliche Nährstoffe angewiesen. Im Handel wird dazu meist sehr teurer Spezialdünger angeboten. Mit einem gewissen Grundverständnis geht das auch günstiger…
Winterschutz Möchte man sich den Traum von exotischen Pflanzen im eigenen Garten erfüllen, so stellt der angemessene Winterschutz der Exoten in unseren lang-anhaltenden, feucht-kalten Wintern die größte Herausforderung dar. Dabei sollten gewisse Winterschutz-Grundregeln beachtet werden.
Mangelerscheinungen + Krankheiten Mangelerscheinungen + Krankheiten zeigen sich meist zuerst an den Blättern. Stellt man hier Veränderungen fest, sollte man schnellstmöglich nach Ursachen und Hilfsmitteln suchen.
Fazit

Der Einstieg ins Exoten-Hobby, aber auch der laufende Pflege- + Schutzaufwand ist – wie man sieht – nicht zu unterschätzen. Hat einen das Fieber aber erstmal gepackt, dann hat man Hobby, welches einen das ganze Jahr über immer wieder vor spannende, neue Herausforderungen stellt…


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