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Gefahren durch Bodenfrost

Ein durch Bodenfrost dauerhaft geschädigtes Wurzelwerk bedeutet i.d.R. das Ende der Pflanze. Was beeinfußt Eindringtiefe + -geschwindigkeit des Frostes in den Boden und wie kann man dem begegnen?

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Einflussgrößen

Die Eindringgeschwindigkeit von Frost ins Erdreich hängt von der Temperatur an der Erdoberfläche, der aktuell vorherrschenden Bodentemperatur, der Bodenart + -dichte, der Bodenbedeckung (Bepflanzung + Bedeckung, z.B. mit Mulch, Schnee oder sonstigem Material) und dem Wassergehalt des Bodens ab.

Bodenart / -dichte

In einer 1939/40 in Giessen durchgeführten Studie konnte gezeigt werden, dass Frost in Sandböden weitaus schneller (gemäß Studie: 1.7cm pro Tag) eintritt als in Lehmböden (1.1cm pro Tag). Sandböden kühlen dabei vorallem in den oberen Bodenschichten stärker aus als Lehmböden. Die maximale Eindringtiefe lag bei Sand- + Lehmböden identisch (bei 52cm). Sandböden waren auf der anderen Seite mit Ende der Frostphase weitaus schneller (2.5 Wochen) wieder frostfrei als Lehmböden. Lehmiger Boden friert also langsamer durch, der Bodenfrost hält aber länger an, was gerade bei immergrünen – also auch im Winter durstigen – Pflanzen kritisch werden kann (‚Frosttrocknis‘).

Bodenbedeckung

Kahlfrost – also Frost ohne Schneedecke – führt zu einem sehr schnellen Durchfrieren des Bodens. Demgegenüber ist eine geschlossene Schneedecke eine gute Isolationsschicht gegen Bodenfrost, kann aber aufgrund des Rückstrahlvermögens (= ‚Albedo‘) vorallem bei frisch gefallenem Schnee zu extremen Minusgraden oberhalb des Erdbodens (insbesondere die ersten 5cm) führen. Bei klarem Himmel – insbesondere in windschwachen Nächten – kann mehr Wärme in Richtung Weltraum abgestrahlt werden, so dass die Luft in Bodennähe über der Schneedecke nochmal deutlich stärker abkühlt. Daher tritt strenger Frost (unter -10°) bei uns in Deutschland meist in Verbindung mit einer geschlossenen Schneedecke auf.

Unbewachsener Boden fördert in gleicher Weise das schnelle Eindringen des Frostes in den Boden. Eine 20cm-dicke Mulchschicht führt dagegen bereits zu einer Bodentemperatur-Erhöhung um ca. 3-5°C.

Wassergehalt

Der Wassergehaltes des Bodens hat 2 entgegengesetzte Wirkungen auf die Bodenfrost. Einerseits gefriert Wasser langsamer als Luft, andererseits hat Wasser eine höhere Wärmeleitfähigkeit. Untersuchungen zeigen, dass bei sehr hohem Wassergehalt des Bodens der Einfluss der Wärmeleitfähigkeit überwiegt. Das bedeutet, dass sehr feuchter Boden zu einer erhöhten Frosteindringtiefe führt.

Fazit

Extrem frostige Lufttemperaturen entstehen insbesondere bei Windstille, klarem Himmel und geschlossener Schneedecke. Ohne Schneedecke führt dies zu besonders starken Bodenfrösten.

Schützt man den Boden durch eine dicke Mulchschicht (o.ä.), so sind dauerhafte Wurzelschädigungen an frostharten Exoten in unseren Breiten kaum zu erwarten. Trotzdem besteht das Risiko, dass es bei zu kaltem Boden durch beeinträchtigte Wurzelfunktionen zur Unterversorgung der Pflanze kommt.

Da Mulch nicht nur das Gefrieren des Bodens in frostigen Phasen verzögert, sondern auch dessen Erwärmung in wärmeren Phasen, ist es ratsam, den Wurzelbereich in frostfreien Phasen vom Mulch zu befreien …


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