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Frosthärte vs. Winterhärte

In einschlägigen Internetforen wird immer wieder vortrefflich darüber diskutiert, ob eine bestimmte Palmenart denn nun in unseren Regionen frosthart, winterhart oder doch nur bedingt winterhart ist. Dieser Artikel soll die Begrifflichkeiten erläutern.

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Frosthärte

Definition: Frosthärte bezeichnet die Minimal-Temperatur, bis zu der eine Pflanzenart (theoretisch) an ihrem Naturstandort (und dort herrschenden Bedingungen wie Klima, Boden, …) überleben kann.

Die Angaben zur Frosthärte werden allerdings nicht einheitlich verwendet: manchmal bezieht sich der Wert nur auf die überlebenswichtigen Pflanzenteile (wie z.B. Rhizom oder Herz), manchmal auf die temperatursensibelsten Pflanzenteile (wie z.B. die Blätter). In ersterem Fall ist die Frosthärte also eine Orientierungshilfe, bis zu welcher Temperatur die Pflanze den Winter überleben kann, zweiterem Fall, bis zu welcher Temperatur eine Pflanze den Winter vollkommen unbeschadet übersteht. Gelegentlich wird die Frosthärte daher auch als ein Temperaturbereich angegeben.

Die Frosthärte einzelner Pflanzen kann von der Frosthärte der Pflanzenart (z.T. um mehrere Grade) abweichen. Folgende Faktoren beeinflussen die Frosthärte einer Pflanze:

  • Jungpflanzen sind meist weniger frosthart als ältere (ggf. bereits verholzte) Pflanzen
  • zu spät ausgepflanzte, winter-grüne Pflanzen verdursten im Winter, weil ihre Wurzeln nicht tief genug vorgedrungen sind, um dem bei Dauerfrost mehrere Zentimeter tief gefrorenen Boden Wasser entziehen zu können
  • nicht-etablierte Pflanzen sind i.d.R. weniger frosthart, da einzelne Pflanzenteile noch nicht ausreichend adaptiert sind (vgl. auch chinesische Hanfpalme: umweltbedingte Variationen)
  • ein kalter Sommer mindert die Holzausreife und damit die Frosthärte
  • plötzlich-auftretender, strenger Frost führt zur Bildung übergroßer Eiskristalle, die die Pflanzenzellen zerstören können
  • ein langer, trockener Herbst erhöht die Frostresistenz, da die Pflanze durch Einlagerung von Lignin in den Pflanzenzellen besser verholzt
  • strenge Winter führen oftmals dazu, dass Pflanzen geschwächt in den nächsten (womöglich ebenfalls strengen) Winter gehen
  • extreme Windlagen erhöhen die Wirkung der Frostschäden
  • Spätfrost kann dazu führen, dass Äste und Stämme aufplatzen, wenn diese bereits voller Pflanzensaft sind; zu warme Temperaturen im Frühling forcieren das frühzeitige Aufsteigen der Pflanzensäfte

Gerade beim Verkauf von Exoten überbieten sich die Anbieter zum Teil mit utopischen Angaben zur Frosthärte.

Winterhärte

Definition: Winterhärte bezeichnet die Fähigkeit einer Pflanzenart, den Winter an einem bestimmten Ort ohne menschliches Zutun dauerhaft (über Generationen hinweg) überleben zu können.

Hierbei geht es neben der minimal verträglichen Temperatur auch um Aspekte wie die Verträglichkeit von Trockenheit / Feuchtigkeit, Wind oder die Bodentemperatur im Winter. So sind z.B. einige Yuccas – obwohl mit Minimal-Temperaturen bis weit jenseits -20°C eigentlich auch in Deutschland geeignet – trotzdem nur bedingt winterhart, da sie die feuchten Winter in Deutschland ungeschützt nicht überstehen. Feuchter Boden gefriert zwar langsamer, bleibt aber länger gefroren und kann so zu tiefgreifenden Bodenfrösten führen. Diese Bodenfröste können für flachwurzelnde, wintergrüne Pflanzen, die auch im Winter etwas Wasser und Nährstoffe benötigen, zu Versorgungsengpässen oder in Extremwintern zum Absterben des Rhizoms führen.

Winterhärte ist immer ortsgebunden. Eine in Deutschland winterharte Pflanze muss z.B. in Sibirien noch lange nicht winterhart sein, da die Winter dort viel kälter sind. Der Umkehrschluss kann genauso gelten: in Sibirien winterharte Pflanzen überleben unsere Winter ggf. auch nicht, da sie durch den in Sibirien typischerweise dauergefrorenen Boden feuchte Winter bei uns (aufgrund der Tauphasen) nicht gewohnt sind. Und dann gibt es Exoten, die am Naturstandort im Winter vergleichbaren Tiefsttemperaturen und vergleichbarer Feuchtigkeit wie bei uns ausgesetzt sind, die aber trotzdem bei uns nicht winterhart sind, weil sie mit dauergefrorenem Boden nicht klarkommen. Das gilt z.B. für Exoten aus den Höhenlagen Mexikos. Hier wird es im Winter nachts zwar ähnlich kalt wie bei uns, tagsüber liegen die Temperaturen dort aber so hoch, dass der Boden nicht dauerhaft gefriert.

Vorsicht geboten ist i.ü. bei Angaben zur Winterhärte in Geschäften (insbesondere bei einigen Online-Shops). Vielfach stammen diese Angaben von ausländischen Züchtern, die die Winterhärte auf ihren Standort beziehen, der aber ggf. nicht mit den Bedingungen am eigenen Standort vergleichbar ist. Im Einzelfall kann hier neben dem Makroklima auch das Mikroklima im eigenen Garten eine entscheidende Rolle spielen.

Fazit

Insbesondere für Exoten empfiehlt es sich, sich vorher umfassend zu informieren, welche Bedingungen am Naturstandort der Pflanze herrschen und welche Schutz- + Pflegemaßnahmen entsprechend bei uns erforderlich sind, damit die Pflanze realistische Überlebenschancen hat.


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