freilandexoten.de > MEIN EXOTENGARTEN > Saison-Berichte > Exotensaison 2015/16

Exotensaison 2015/16 Mein Exotengarten

Nachdem ich in der Saison 2014/15 einige Neuzugänge hatte und der 1. Winter recht mild war, bin ich in der Saison 2015/16 – meiner inzwischen 5. Exotensaison – bzgl. Neuzugängen etwas vorsichtiger. Aber auch dieser Winter ist extrem mild, so dass mein kompletter Exotenbestand den Winter wieder schadlos übersteht.

zur Gallerie

Saison-Bilanz

Bepflanzung

Folgende Pflanzen haben es diese Saison in unseren Exotengarten geschafft (Pflanzenübersicht):

Pflanze Anzahl
Trachycarpus Fortunei (chinesische Hanfpalme) 2
Musa Basjoo (japanische Faserbanane in rot) 1
Akebia quinata (Klettergurke) 1
Phyllostachys Vivax Aureocaulis (Bambus) 1

Klima

Die Vegetationsphase beginnt (gemäß Grünlandtemperatursumme GTS200) relativ spät am 08.04.2015 (historische Klimadaten).

Der Winter gestaltet sich sehr mild: Mitte Oktober gibt es sehr zeitig erste Frostnächste. Ab Anfang November bis Mitte Januar ist es dann ungewöhnlich warm mit ganz wenigen Nächten knapp unter 0° C. Mitte Dezember hat es zeitweilig zweistellige Plus-Grade. Mitte Januar sinken die Temperaturen nachts kurzweilig unter -10° C. Auch der Februar bringt nur wenige Nächte mit leichten Minustemperaturen. Mitte April kommt der Winter mit Tiefsttempersturen um den Gefrierpunkt nochmal für eine Woche zurück.

Das Klima war diese Saison extrem Exoten-freundlich: eine hohe Wärmesumme im Sommer, eine geringe Kältesumme im Winter, nur 8 Dauerfrosttage und 2 Strengfrosttage mit einer Tiefsttemperatur von -13°C.

Schutz & Pflege

2015/16 ist die erste Saison, in der ich meine Exoten regelmäßig dünge. Desweiteren experimentiere ich erstmals bei meinen Palmen mit dem Hormon Auxin.

Im Sommer wird ein Sprinklersystem von Gardena verlegt. Die Pflanzen bekommen so regelmäßig Wasser. An ganz heißen Sommertagen wird über einen kleinen Bewässerungscomputer 2x am Tag bewässert, morgens und abends jeweils um ca. 6 Uhr.

Mein Winterschutz sah diese Saison folgendermaßen aus:

Pflanze Schutzart Start Ende Dauer Bemerkung
Trachycarpus Fortunei Schutzbau offen 17.01.16 20.02.16 34 Tage bei Abbau des Schutzes liegt die Grünlandtemperatursumme (GTS) bei 72
Schutzbau geschlossen 17.01.16 23.01.16 6 Tage  
Musa Basjoo Schutzbau geschlossen 01.11.15 13.03.16 133 Tage bei Abbau des Schutzes liegt die Grünlandtemperatursumme (GTS) bei 118

Klima

Diagramm: Wintersaison 2015/16 – Temperaturen & Winterschutzmaßnahmen

März 2015

Mitte März bekommt unsere etablierte Hanfpalme Zuwachs: eine zweite Hanfpalme zieht in unseren Garten. Sie stammt aus einem Gartencenter und wirkt leicht ‚vergeilt‘ (längste Wedelstile 85cm ggü. 70cm bei unserer anderen Palme). Sämtliche Petiolen sind auf der Aussenseite auffällig bräunlich. Sie wird (direkt neben der ersten Palme) auf der Südostseite des Grundstücks halbwegs geschützt ausgepflanzt (Standort / Makro- und Mikroklima).

April 2015

Beide Hanfpalmen bekommen im April hellgrüne Blätter und Petiolen. Inwieweit es sich bei der Chlorose um frühjahrstypischen Eisenmangel handelt oder die Palmen ggf. aufgrund des gefrorenen Bodens und der damit verbundenen schlechten Wasserzufuhr in den ersten sonnigen Frühlingstagen gelbe Blätter bekommen haben, ist schwer zu sagen. Bei der neuen Palme vertrocknen überdies die Blattspitzen (ca. 10-15cm) bei sämtlichen älteren Wedeln.

Eine dritte Hanfpalme zieht ein. Die Palme habe ich zufällig auf einem Markt bei einem holländischen Marktschreier gesehen und gekauft. Sie hat bereits eine stattliche Größe (Stammhöhe 1,30m), die Wurzeln sind leider etwas kurz. Sie wird – bzgl. Mikroklima etwas problematisch – auf der Nordwestseite des Grundstücks ausgepflanzt (Standort / Makro- und Mikroklima). Mehr und mehr wird mir klar, dass ich im Winter 2 Sorgenkinder durchbringen muss: die vergeilte Gartencenter-Palme mit den langen Wedeln und die grosse Marktschreier-Palme mit den kurzen Wurzeln an einem suboptimalen Standort.

Nachdem die Indianerbanane letzte Saison nur 1 Blüte gebildet hat, bildet sie diesen April 6 Blüten.

Die Hanfpalmen bekommen Ende April 2x eine Wurzelbehandlung mit Auxin und werden von nun an alle 2 Wochen gedüngt.

Mai 2015

Eine zweite Banane – eine Musa Basjoo in rot – zieht Mitte Mai ein.

Die Indianerbanane bildet in 2 der 6 Blüten jeweils 2 Fruchtansätze. Die Fruchtansätze fallen leider im Mai bereits nach kurzer Zeit ab.

Juni 2015

Anfang Juni schieben bei allen Hanfpalmen sattgrüne neue Wedel nach. Die Palmen machen durchweg einen guten Eindruck, insbesondere die bereits etablierte Palme.

Desweiteren pflanzen wir eine Klettergurke und einen weiteren Bambus „Phyllostachys Vivax Aureocaulis“ (direkt neben dem bestehenden Bambus „Fargesia Spez. Jiuzhaigou“) aus. Während der „Fargesia“ ein horstbildender Bambus ist, ist der neue Bambus „Phylostachys“ ein ausläuferbildender Bambus, der bis zu 6cm dicke Halme bilden kann und bis unter -20° C frosthart ist. Für ausläuferbildende Bambusarten ist eine Wurzelsperre unabdinglich. Das Verlegen der Wurzelsperre ist nicht ganz ohne. Für die Wurzelsperre ist ein ca. 70cm tiefes Loch zu graben mit dem Durchmesser, den der Bambus im Garten mal einnehmen soll. Der neue Bambus schiebt bereits nach wenigen Wochen kräftige Halme. Die zwei Bambus machen sich fantastisch nebeneinander. Sie wirken wie ein kleiner Dschungel im Nordwesten unseres Gartens.

Beide Bananen werden im Juni beliebtes Ausflugsziel von Schnecken. Für die nächste Saison muss ich mir hier – solange die Musas noch recht klein sind – auf alle Fälle einen geeigneten Schneckenschutz überlegen.

Mitte Juni verpassen wir unserer leuchtend-gelben japanischen Strauchspiere einen Radikalschnitt. Der Pflanze hat das offensichtlich gar nicht gefallen: sie kümmert entsprechend den ganzen Sommer vor sich hin.

Meine Passionsblume zeigt recht spät erste Blätter, wächst dann bis Ende Juni aber sehr schnell bis auf eine Länge von 3m.

Juli 2015

Die Bananen wachsen nun extrem schnell.

August 2015

Die 2 Magnolien enttäuschen dieses Jahr: die Genie bildet gerade einmal 8 Blüten im Frühjahr und 1 in der Nachblüte (2014: erstmalig 3 Blüten in der Nachblüte im August). Und die Soulangeana bildet nur 6 Blüten, nachdem sie 2014 über 30 Blüten hatte.

Meine Passionsblume entschädigt dafür, indem sie ab Anfang August erstmals wunderschöne Blüten bildet.

September 2015

Ende September stelle ich fest, dass insbesondere meine älteste Hanfpalme bzgl. Stammdurchmesser im bodennahen Bereich massiv zugelegt hat. Ist das womöglich eine Reaktion auf die Auxin-Behandlung?

Oktober 2015

Anfang Oktober färben sich die Blätter der Indianerbanane wunderschön gelb und später gelb-braun. Sie wächst diese Saison in Summe über 20cm auf ca. 140cm Höhe.

Die Blätter der Marktschreier-Hanfpalme werden ab Mitte Oktober merklich hell-grün. Es scheint, als ob die Palme gerade die selben Mangelerscheinungen aufweist, die die beiden Älteren im Frühjahr gezeigt haben.

Nachdem sich die Temperaturen im Herbst bereits Anfang Oktober nahe der Frostgrenze bewegen, erhalten meine zwei Bananen ihren Winterschnitt bereits am 17.10.: alle Blätter werden stammnah abgeschnitten und die Scheinstämme werden auf knapp 50cm eingekürzt. Meine ältere Banane hat diese Saison mit viel Bewässerung und sehr wenig Düngung eine Höhe von knapp 2m erreicht. Mit Holzflöcken wird bei der größeren Banane ein 50cm-Schutzbau-Quader gebaut: 50cm breit, 50cm tief, 50 cm hoch. Die kleinere Banane erhält einen Schutzbau mit einer Grundfläche 30cmx30cm und einer Höhe von 50cm.

Das Pampasgras ist auch dieses Jahr wieder ein echter Hingucker. Seine goldbraune Färbung im Herbst ist ein echtes Highlight.

Die Klettergurke wächst zunächst gut an, stellt dann während der heißen Sommertage das Wachstum komplett ein, um im Herbst wieder zu wachsen. Sie mag es offensichtlich nicht zu heiß.

Meine Passionsblume kommt in Summe auf etwa 30 Blüten. Letzte Blüten gehen Mitte Oktober auf. Im Oktober entdecke ich außerdem in ca. 20 Zentimeter Entfernung Nachwuchs: ein kleiner unterirdisch entwickelter Ausläufer zeigt erste Blätter.

November 2015

Nachdem es in der Nacht auf den 01.11.15 leichten Frost gegeben hat und die Temperaturen die nächsten Nächte ähnlich liegen, wird der Bananen-Winterschutz nun finalisiert. Dazu werden die Schutzbauten nun bis Oberkante mit in Summe 170l Mulch (125l und 45l) aufgefüllt. Die Bauten werden seitlich und oben dicht mit Luftpolsterfolie eingewickelt und erhalten einen Regentonnendeckel als Schneelastdach und einen Wintervliessack bzw. einen Pop-Up-Gartensack – jeweils mit Steinen beschwert – übergezogen. Die selbstregulierenden Heizkabel werden angeschlossen. Zur Temperaturüberwachung erhalten die Schutzbauten jeweils ein WiFi-Thermometer.

Ebenfalls am 01.11.15 wird der Wurzelbereich vom Kakibaum, von den Passionsblumen, vom Schokoladenbaum und von der Klettergurke gemulcht. Die Magnolie ‚Genie‘, die zwei Bambus und das Pampasgras bekommen keinen Schutz.

Januar 2016

Aufgrund des bis dato sehr warmen Winters stehen die Hanfpalmen auch Anfang Januar noch ohne Winterschutz da. Nachdem es im Januar stark geschneit hat, sind 4 Wedel der Marktschreier-Palme so stark gebogen worden, dass ich sie abschneiden muss. Am 16.01. / 17.01. ist es dann doch soweit: die nächsten Tage ist Dauerfrost angekündigt, nachts z.T. mit Temperaturen bis -12° C. Gerade für die 2 Neuankömmlinge wird es mir nun doch zu heikel. Der Winterschutz wird also aufgebaut und dicht mit dicker Luftpolsterfolie verpackt. Letztes Jahr waren die Palmen zu dem Zeitpunkt i.ü. bereits 11 Wochen, also 2.5 Monate, ‚eingepackt‘. Nachdem die Temperaturen wieder gestiegen sind, wird die Luftpolsterfolie bereits am darauffolgenden Wochenende 23.01. / 24.01. wieder entfernt.

Nachdem unsere Clematis im Spätsommer – wie jedes Jahr – wie vertrocknet wirkt, zeigen sich Ende Januar an den leblos wirkenden Zweigen erste neue Austriebe.

Februar 2016

Aufgrund der positiven Prognosen für die nächsten Tage baue ich bei den Hanfpalmen den Winterschutz am 07.02. im oberen Bereich komplett ab. Um im Bedarfsfall nicht allzuviel Aufbauaufwand zu haben, lasse ich zunächst den unteren Teil des Schutzgestells mit dem gemulchten Wurzelbereich und dem umwickelten Stamm stehen. Am 20.02. baue ich die Schutzbauten dann komplett ab. Die Palmen haben den Winter bestens überstanden. Die Marktschreier-Palme hat (wie schon im Herbst) sehr helle Blätter. Die anderen beiden Palmen haben die schöne sattgrüne Blattfarbe.

März 2016

Am 13.03.16 baue ich den Winterschutz der Bananen ab. Die Bananen haben unter dem Winterschutz bereits kräftig Blätter geschoben (bis zu 15cm lang). Leider ist der Mulch im oberen Bereich (warum auch immer) bei beiden Bananen feucht und dadurch leicht schimmelig geworden. Entsprechend sind die neu geschobenen Blätter großteils matschig und vermodert. Die Stämme ansich sehen aber gut aus.

Meine Saison-Erkenntnisse
1. Kein Grund zur vorschnellen Panik: Palmen bekommen – gerade in den rauen Gegenden Deutschlands – im Winter gerne mal hellgrüne Blätter, vorzugsweise im ersten Auspflanzjahr
2. Bananen benötigen im Frühsommer als kleine Pflanzen einen Schneckenschutz
3. ohne regelmäßige Düngung erreichen Bananenstauden in den rauen Gegenden Deutschlands nur schwerlich Höhen über 2m
4. das Verlegen von Rhizomsperren kann für Bambus bei entsprechendem Boden durchaus in einem mehrtägigen Projekt enden
5. gewisse Pflanzen nehmen einem einen Radikalschnitt im Sommer übel

Kommentar verfassen

Aktuelle Umfrage

freilandexoten.de ist ...

Aktuelle Beiträge

Pflanzenphysiologie
Chinesische Hanfpalme: Nässeempfindlichkeit
Tipps für Exoten-Einsteiger
Platzhirsche versemmeln Digitalisierung
Gefahren durch Bodenfrost

Aktuelle Fotos

17-11-japanischer Blutfächerahorn 01 17-10-chinesische Hanfpalme 02 17-10-Clematis Carnaby 01 17-10-chinesische Dattel 01
Top