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Der Exotengärtner zwischen Spott + Ehre Der Ritt auf der Rasierklinge

Als Exotengärtner bewegt man sich auf dünnem Eis: überstehen die ausgepflanzten Exoten den Winter, erntet man viel Bewunderung und Anerkennung für den außergewöhnlichen Garten, überstehen die Exoten den Winter nicht, ist man sich des Gespötts der Neider sicher.

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Auch, wenn im Laufe der letzten Jahre mehr und mehr fremdländische Pflanzen Einzug in deutsche Gärten gehalten haben und so als quasi-einheimisch gelten, erntet man in den meisten Gegenden Deutschlands weiterhin ungläubige Blicke, wenn man bei sich im Garten Palmen, Bananen, Oliven o.ä. auspflanzt.

Wir hatten bereits mit dem Hauskauf 2010 und der Garten-Neugestaltung 2011 immer wieder ein paar exotische Pflanzen in unserem Garten integriert. Ich entsinne mich noch gut an die verbalen und non-verbalen Reaktionen unserer Nachbarn, als wir im Frühjahr 2014 dann die 1. Palme und die 1. Banane in unserem Garten ausgepflanzt hatten. Wir verstehen uns wirklich super mit unseren Nachbarn. Aber mit gerade einmal 3 Jahren Gartenerfahrung waren wir noch blutige Garteneinsteiger. Von daher war die Reaktion meist eine Mischung aus müdem Lächeln und belustigtem Stirnrunzeln. Netter Versuch, werden sie sich gedacht haben, etwas naiv, die 2, spätestens nach dem 1. Winter sind die Pflanzen sicher tot…

Mir war entsprechend vor dem 1. Winter gar nicht wohl. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wie man Exoten eine Wintersaison im eisigen Bayern schmackhaft machen konnte. Um mich nicht komplett zu blamieren (vgl. auch: ‚Der desillusionierte Palmenliebhaber‘), las ich mich im Internet in die Materie ein. Gar nicht so einfach, insbesondere, wenn es darum geht, echtes Experten-Wissen von Dummschwätzer-Weisheiten zu unterscheiden. Auch der Transfer von Winterschutzmaßnahmen, die in milden Gegenden Deutschlands funktionieren, auf das raue Klima bei uns in Bayern, ist für einen Neueinsteiger ein heisser Ritt. Die damalige Informations-Recherche war i.ü. die Basis für diese Website…

Was soll ich sagen? Palme + Banane (+ auch alle restlichen Exoten) überstanden die Wintersaison 2014/15 quasi schadlos. Ich hatte auch ein wenig Glück: der Winter gestaltete sich ziemlich mild.

Im Frühjahr 2015 nahm ich den 1. Überwinterungserfolg zum Anlass, u.a. 2 weitere Hanfpalmen und 1 weitere Banane auszupflanzen. Der Winter 2015/16 gestaltete sich nochmals milder als der letzte Winter, so dass wieder alle Exoten überlebten.

Jetzt wurde ich richtig mutig und pflanzte im Frühjahr 2016 14 weitere Exoten aus, u.a. nässeempfindliche Yuccas und recht frostkritische Pflanzen wie Oleander oder Olivenbaum. Fatalerweise gestaltete sich diese Wintersaison extrem streng, u.a. im Januar mit 18 Tagen Dauerfrost + Tiefsttemperaturen bis -17°C. Schlecht für die vielen frisch-ausgepflanzten und entsprechend noch nicht besonders gut verwurzelten Exoten, extrem schlecht für die frostkritischen Exoten. Im Frühjahr 2017 zeigten sich entsprechend bei einigen Exoten (und i.ü. auch einigen einheimischen Pflanzen!) mittlere und vereinzelt schwere Winterschäden. Aber: sie hatten alle überlebt und regenerierten Woche für Woche.

So war die Wintersaison 2016/17 für uns – wenn man so will – die Reifeprüfung. Trotzdem ist für uns jede Garten-Saison immer wieder eine große Herausforderung und keinesfalls ein Selbstläufer. Spätestens nach dem strengen Winter 2017 war auch den letzten kritischen Nachbarn klar, dass unser Exotenhobby kein reines Himmelfahrtskommando ist. Das müde Lächeln war nun endgültig Respekt und Anerkennung gewichen. Wir hatten uns im Kreis unserer Nachbarn quasi als Experten-Gärtner emanzipiert…

Wir haben einen Exotengarten, weil wir die Optik, das Ambiente und auch die Gestaltung eines solchen Gartens lieben. Das ist unsere Motivation. Trotzdem freuen auch wir uns natürlich auch über positive Rückmeldungen, insbesondere, wenn sie ungefragt kommen. Und das passiert, mehr und mehr: z.B. die Nachbarin, die unseren Garten als den schönsten weit und breit bezeichnet, der Nachbar, der in seinem Garten buddelt, um ‚wenigstens ansatzweise bei unserem mithalten zu können‘, zwei fremde Kinder auf Fahrrrädern, wo die eine zur anderen sagt, dass unser Garten ihr absoluter Lieblingsgarten ist, die Nachbarn, die nachts ‚heimlich‘ unser Grundstück bewundern oder die fremde Familie, die abends beim Spazierengehen stehen bleibt, weil der Vater ‚beim Anblick unseres Gartens Urlaubsgefühle‘ entwickelt. Bei aller Freude am eigenen Tun: ein unverhofftes Lob tut halt manchmal einfach gut…


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